Robin Laufer

Robin Laufer wurde am 26. Jänner 1909 als Rubin im multiethnischen Königreich Galizien und Lodomerien, dem östlichen
Kronland der Habsburgermonarchie in eine jüdische Familie geboren. Seine Heimatstadt war Stanislau, die später polnisch,
dann russisch wurde und schließlich westukrainisch unter dem Namen Iwano-Frankiwsk firmiert. Er verstarb am 31. Mai 1966
in San Francisco. In seinem Geburtsort lebten ukrainische, polnische, deutsche und vor allem jüdische Bevölkerungsgruppen
mit unterschiedlicher Sprache und Religionszugehörigkeit. Nach einem einjährigen Intermezzo an einem Wiener Gymnasium kehrte
er in ein privates jüdisches Gymnasium in seine Heimatstadt zurück. Anschließend führte ihn sein Lebensweg 1928 an die Prager
und ein Jahr später an die Musikwissenschaft der Wiener Universität. 1935 legte er an der philosophischen Fakultät seine
Dissertation „Der polnische Tanz und sein Eindringen in die Kunstmusik“ vor. Er wurde zu den Rigorosen zugelassen da seine
„Durchschnittsarbeit (…) die über das Niveau der gewöhnlichen Durchschnittsdissertation in keiner Weise hinausreicht“ dennoch
den Anforderungen genüge tat. Seiner steilen Karriere als Dirigent, Musikwissenschafter und Pianist , die ihm trotz widrigster
politischer Umstände gelang, tat diese Beurteilung keinen Abbruch.
Bereits als junger Mann wurde der ambitionierte Akademiker 1935, im Alter von nur 26 Jahren, Mitglied der gemischten
Loge Vertrauen des Le Droit Humain und damit Freimaurer. Im gleichen Jahr berief man ihn zum Leiter des Konservatoriums
in Lemberg. Die politischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs führten ihn nach Süd-Frankreich, wo er in einer polnischen
Division der französischen Armee gegen die deutschen Okkupanten kämpfte. Hier heiratete er mitten im Zweiten Weltkrieg
Gertrud Fromm . Die Chemiestudentin (*1915 in München, +1944 im KZ Auschwitz), entstammte einer kunstsinnigen jüdischen
Familie. Ihr Vater Leo Fromm war von Augsburg nach München zugewandert, wo er als Anwalt arbeitete und sich als Mitgründer
der Münchener Kammerspiele einen Namen machte. Als Freiwilliger zog er in den Ersten Weltkrieg, der ihm 1916 sein Leben kostete.
Tochter Gertrud kam am 20. Juni 1915 in München zur Welt, ohne ihren leiblichen Vater je kennengelernt zu haben. Ihre Mutter
Edith, geborene Degginger und wiederverheiratete Frank, blieb auch nach ihrem Umzug nach Leipzig Gesellschafterin der Münchner
Theater GmbH. Bereits 1933 emigrierte sie über Holland nach Australien, ihre Tochter Gertrud floh hingegen 1934 nach
Frankreich. Hier heiratete sie den Professor für Klavier und Dirigat der sich nun Dr. Robin Laufer nannte. Seit 1942
unterrichtete er an der Universität von Montpelier wo er den Lehrstuhl für Musikwissenschaft gegründet hatte. Tochter
Hedwige Sylvienne kam im Jänner 1943 in Montpelier zur Welt.
Seit 1940 war Frankreich von der Deutschen Wehrmacht besetzt, was die einen zur Kollaboration mit dem Nazi-Regime, andere
hingegen in den Widerstand führte. Einer dieser Mutigen war Robin Laufer, ein Mitglied der Résistance. Seine Frau und die
kleine Tochter wurden im größten Sammellager Frankreichs, im 20 Kilometer nord-östlich von Paris gelegenen Drancy interniert.
Dies kam einem Todesurteil gleich, denn von hier aus erfolgten die regelmäßigen Transporte in das Vernichtungslager von
Auschwitz-Birkenau. Ihr Zug ging am 5. März 1944 in den Osten ab, sie kamen am 10. März an. Von den 1.497 Passagieren wurden
1.300 unverzüglich in den Gaskammern ermordet, darunter auch Gertrud Laufer und ihre Tochter. Robin Laufer wurde ebenfalls
verhaftet und am 27. März 1944 in dasselbe Vernichtungslager deportiert. Er hatte Glück und überlebte die Schoa unter
abenteuerlichen Umständen, im Jänner 1945 gelang ihm die Flucht aus der Todeshölle. Für seine Verdienste in der Résistance
zeichnete ihn die französische Regierung mit dem „Croix de Guerre“ aus.
Nach diesen dramatischen Erfahrungen findet man ihn bereits 1947 als Dirigent bei einem Wohltätigkeitskonzert in Straßburg.
Hier entwickelte er, wie es in der sozialistischen Zeitung lobend hieß, „sein juvenales Temperament“ an der Spitze des
Nationalen Straßburger Rundfunkorchesters. In der Folge arbeitete er im Auftrag der Vereinten Nationen in Paris und London
für den International Music Council der UNESCO. 1949 trat Robin Laufer erneut der gemischten Freimaurerei des Le Droit Humain,
nun allerdings in Paris, bei. 1950 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft.
Seine internationale Ausrichtung führte ihn für einige Zeit nach England, dann folgte er mit seiner zweiten Frau Eunice, einer
britischen Diplomatin, einem Ruf nach Kalifornien. Hier bestellte man ihn 1957 zum Direktor des San Francisco Conservatory.
Die Schule war 1917 gegründet worden, als man den Bedarf für ein Musikkonservatorium an der Westküste erkannte. 1923 wurde sie
als San Francisco Conservatory of Music eingetragen. Nun bot man anspruchsvollen Unterricht für Orchesterinstrumente sowie
Theorie, Komposition und Gesang an. Unter Laufers ambitionierter Leitung, die neun Jahre dauerte und 1966 durch seinen
plötzlichen Tod endete, avancierte das Institut schnell zur ersten Musikschule an der Westküste, das sowohl von der Western
Association of Schools and Colleges als auch von der National Association of Schools of Music akkreditiert wurde.
Robin Laufers Lebensreise hatte ihn von Galizien über Wien, Frankreich und England an die Westküste von Amerika geführt. Sein
abenteuerliches Leben als Mitglied der Résistance, sein schicksalhaftes Überleben der Schoa, seine persönlichen Verluste
durch den Terror des Nationalsozialismus markieren Brüche, dennoch werden zwei durchgehende rote Fäden sichtbar. Seine
künstlerischen Qualifikationen als Musikwissenschaftler, Dirigent und Pianist, die er in Wien erworben hatte, kamen nicht
nur Amerika, sondern der ganzen Welt zu Gute. Seine Mitgliedschaft in der Freimaurerei aus den Wiener Tagen setzte er sowohl
in Frankreich als auch in den Vereinigten Staaten fort. Der Umtriebige verstarb am 31. Mai 1966 im Alter von nur 57 Jahren
an einem Herzinfarkt.
Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich
Link:
Robin Laufer auf der Plattform WIEN GESCHICHTE WIKI
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